Kreativquartier, Ankauf

30. Mai 2012

Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb
zur Entwicklung des Bereichs Dachauer Straße / Schwere-Reiter-Straße,
Lothstraße in München
Beschränkter zweiphasiger Ideenwettbewerb, Ankauf
Landschaftsarchitektur: Lucia Grosse Bächle

Mitarbeit: Steven Hahnemann, Jan Dethlefsen, Thomas Filke

006b

Das ursprünglich militärisch genutzte Areal an der Dachauer Straße, 2,5km nordwestlich der Münchener Altstadt, zählt zu einem der größten innerstädtischen transformationsgebiete Münchens für die kommenden Jahre. Durch die prominente Lage zwischen Olympiapark und Maxvorstadt, befindet sich das Wettbewerbsareal in direkter Wegebeziehung zum Hauptbahnhof und über die Heßstrasse zur Maxvorstadt. Vom Leonrodplatz zur Innenstadt gewandt, hat man direkten Sichtbezug zum Wahrzeichen der Stadt München, zur Frauenkirche.

Gesamtkonzept | Methodik
Die Struktur des Wettbewerbsareals zwischen Schwere-Reiter- und Dachauer Straße ist durch seine ursprünglich militärische Nutzung und mehrfache Überformungen gekennzeichnet. Eine dazu kontrastierende, erfrischend lebendige Prägung hat die gegenwärtig aktive Kunst- und Kulturszene dem Ort gegeben, was unter anderem in der für das Gebiet verwendeten Bezeichnung „Kreativ-Quartier“ zum Ausdruck kommt. Ähnlich Pioniergewächsen, die einen brachgefallenen Standort für die nachfolgenden Pflanzengesellschaften vorbereiten, haben Künstler und Kreativwirtschaft die Grundlage für eine nächste Entwicklungsstufe des Quartiers geschaffen.

Kultivierung der Eigenart
Wir stellen uns vor, dass die künftige Entwicklung des Gebiets dem Anlegen eines Gartens gleicht: Für unterschiedlichste (Pflanzen)-Kulturen werden differenzierte räumliche Situationen geschaffen, die ein Nebeneinander und Miteinander möglich machen, ohne dass ein Verdrängungsprozess einsetzt. Eigenartiges und Andersartiges findet seine Nischen und kann sich dort entfalten. Eigenart wird nicht nur geduldet, sondern kultiviert.

Vorgeschlagen wird ein städtebauliches Konzept, das einen anpassungsfähigen Rahmen bereitstellt, in dem sich urbanes Leben, Kreativität, Kunst sowie alltägliches Miteinander entwickeln kann und dabei Offenheit für Unvorhersehbares bleibt. Es wird ein Beziehungssystem, ein Rahmenwerk aufgespannt, das flexibel auf Anforderungen und Einflüsse (z.B. durch unterschiedliche Akteure) reagieren kann, dabei jedoch sein strukturgebendes Raumgerüst beibehält. Dieser Rahmen stellt den Möglichkeitsraum, das Labor für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft bereit. Es ist ein Stadtquartier, für Wohnen, Arbeiten, Kunst, Kultur und Wissen, das die vorhandene Prägung durch Künstler und Kreative aufnimmt, erhält und weiterentwickelt. Die Bedeutung des Wortes „kreativ“ wird dabei aufgefasst als ein in die Zukunft denken und agieren, ein miteinander leben, gestalten und arbeiten, welches auf Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit angelegt ist. Generative Entwurfsmethodik

Der städtebaulichen Konzeption liegt ein anpassungsfähiges Rahmen- und Regelwerk zugrunde, welches als Bezugsystem alle Elemente, wie Baufelder, Parzellen, Freiraumsystem sowie Bautypologie und Dichte beeinflusst. Es nimmt das Netz der Beziehungen als Ganzes in den Blick und wird als strukturgebende Konstellation entwickelt. Deren Eigenschaften werden durch spezifische Einflussgrößen bestimmt und bleiben durch diese permanent veränderbar. Solche Einflussgrößen sind (wie in den Abbildungen gezeigt) z.B. Dimensionierung und Proportion der Baufelder, Ausrichtung und Solarisierung der Bebauung, Dichte und unterschiedliche Typologien. Die einzelnen Elemente (Baufelder, Parzellen, Freiraum) sind dabei vollständig modifizierbar bzw. können ausgetauscht (z.B. Gebäudetypen) werden, ebenso sind entsprechende Einflussgrößen als Variablen für Unvorhersehbares bestimmbar. Damit ist ein reaktionsfähiges und zu jedem Zeitpunkt der Planungsphase bis zur Realisierung anpassbares Stadtgefüge gegeben. Die gesamte Konstellation kann im Rahmen des Bezugsystems jederzeit nachjustiert werden. Über die Modifikation einzelner Parameter ist es möglich, eine große Anzahl von unterschiedlichen Raumzuständen zu erzeugen. Die jeweilige Auswahl erfolgt u.a. danach, welcher Zustand den durch die beteiligten Akteure definierten Vorgaben optimal entspricht.