Industrieforum Ringgleis, 1.Preis

25. April 2014

 

Geladener Wettbewerb, Braunschweig

1. Preis

Team: Uwe Brederlau, Florian Holik, Martin Franck

 

Ausgehend von der beeindruckenden Anzahl an Projekten, Projektinitiativen, Vereinen, Ideen und dem Bürgerengagement ist eine Art verorteter Institution notwendig, die einerseits dem Themenspektrum einen angemessenen Rahmen gibt und gleichzeitig den Bezug zu Geschichte und Zukunft des Ortes herstellt. Es wird ein „FORUM RINGGLEIS“ vorgeschlagen, das jeweils den Bereich des RINGGLEISES, welcher sich gerade im Fokus befindet, in einen zeitlichen und sinnlich wahrnehmbaren Zusammenhang stellt.

Für den Bereich des Westbahnhofs wird das „FORUM INDUSTRIEGLEIS – Westbahnhof“ vorgeschlagen.

Das „FORUM INDUSTRIEGLEIS – Westbahnhof“ ist auf das Umfeld des Westbahnhofs, auf das Sanierungsgebiet Westliches Ringgebiet – Soziale Stadt bezogen. Hier werden entsprechend des Ortsbezuges sowohl die Industrie- und Eisenbahngeschichte thematisiert als auch die für den gesamtstädtischen Kontext wichtigen Ereignisse. Darin einbezogen ist die Geschichte des Jödebrunnens ebenso wie das KontorHaus der Firma Fr. Brachvogel (Holzhandel). Es ist ein Forum zur Information und zur Partizipation, auch hinsichtlich der zukünftigen Entwicklungen des RINGGLEISES. Der Entwurf des „FORUM westliches RINGGLEIS“ bezieht seine Charakteristik aus der ursprünglichen Prägung des Westlichen Ringgebiets durch Eisenbahn und Industrie.

 

Konzept / Gestaltung

„Die Eisenbahn als wichtiger Leitsektor förderte die Industrialisierung in Braunschweig und war als Auftraggeber maßgeblicher Faktor für Firmenneugründungen. So baute z.B. die Braunschweigische Maschinenbauanstalt (BMA), 1853 gegründet, zu Anfang Eisenbahnwaggons.“ (aus: „RINGGLEIS der ehem. Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft“ Hrsg.: Stadt Braunschweig, Der Oberstadtdirektor – Bauordnungsamt – Abteilung Denkmalschutz, Bearbeiter: Frank Ehrhardt (Arbeitskreis Andere Geschichte e.V.), Klaus Hoffmann (Heimatpfleger), Udo Gebauhr, Jörg Kaufmann, Heinz Kudalla)

Der heute weltweit eingesetzte Container steht für das Thema Transport von Waren aller Art, ist gleichsam Synonym dafür. Daher eignet sich seine Proportion (6.00m x 2.45m x 2.90m) besonders, um das Thema des Transports von Gütern sowie eine industrielle Produktionsweise zu übertragen und zu veranschaulichen. Diese Dimension entspricht auch in etwa der von historischen Güterwaggons. Einerseits steht der Container für den Transport aller nur denkbaren Güter, anderseits ist er selbst industriell hergestelltes Produkt. In dieser Eigenschaft transportiert und veranschaulicht er bereits als leeres Objekt alle wesentlichen Themen der Industriegeschichte im Bereich des Westbahnhofs.

Er ist räumlich wirksames Objekt, das an Waggon, an Transport von Industrieerzeugnissen erinnert, aber immer noch abstrakt, zurückgenommen genug, um Raum für Interpretation zu lassen. In eine Gruppe positioniert entsteht der Eindruck von mehreren abgestellten Waggons.

 

Konzept / Ort

Durch seine besondere Gestaltungssprache ist das Konzept des „FORUM INDUSTRIEGLEIS“ darauf angelegt, die Themen von Industrie, Eisenbahn, Stadtentwicklung und Geschichte sowie Bürgerengagement auch auf den Nordbahnhof sowie Ost- und Südbahnhof zu übertragen. Eine jeweilige spezifische Verortung kann beispielsweise durch eine andersartige Gruppierung, Anzahl und Setzung der Containerobjekte erreicht werden – und natürlich durch die ortsbezogene Thematik.

Im Areal des Westbahnhofs liegt der gewählte Ort für das FORUM INDUSTRIEGLEIS im Kreuzungspunkt von Wegebeziehungen, dem Verlauf des RINGGLEISES selbst, der Blumenstraße und den Wegen aus der Gartenkolonie Westbahnhof. Diese Lage unterstützt auch eine Mittenwirkung zwischen Jugendpark, Gartenkolonie Westbahnhof und Interkultureller Garten. Ein wesentliches Moment für die Charakteristik des neu geschaffenen Ortes ist auch die vorhandene Brücke über den Gleisen. Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist die ideale Nähe zum Jödebrunnen und zum KontorHaus. Durch die beschriebenen Bezüge ist der Standort bereits vorgezeichnet.

 

Konzept / Themen

Die Vielzahl der Ereignisse um die Geschichte von Eisenbahn und Industrie, um die Menschen, die an diesem Ort gearbeitet und gelebt haben, einschließlich der Auswirkungen auf die Gesamtstadt Braunschweig ist so immens, dass alle diese kaum in einem Informationssystem im Außenraum dargestellt und vermittelt werden können. Das vorgeschlagene Konzept arbeitet daher mit unterschiedlichen Strategien, die einerseits dem Ort angemessen sind sowie in einer relativen kurzen Aufmerksamkeitsspanne wahrgenommen werden können. Diese sind Erkennbarkeit der Bedeutung des Objekts, die Übertrag auf weitere Interpretationsebenen, die sinnlich haptische Wahrnehmung sowie die jeweilige Information zum dargestellten Thema.

Der gewählte Container als Veranschaulichung von Transport, Industrie, Produkt und Ware wird auf seine Proportion reduziert, denn wesentlich ist der dreidimensionale Rahmen, der sowohl Raum beschreibt als auch seine Inhalte einfasst. Daher besteht das Objekt lediglich aus dem konstruktiv notwendigen Metallprofil. In dieses Volumen sind der Proportion des Containermaßes folgend Objekte eingestellt, die unterschiedliche Informationen zu den jeweiligen Ausstellungsthemen aufnehmen. Die Unterteilung der Ausstellungsobjekte folgt proportional zum Maßsystem des Containers, so dass jeweils verhältnisgleiche Abstufungen gegeben sind.

Das Material Metall, seine Farbigkeit sowie weitere Details bis hin zur Schrift folgen der Charakteristik von Güterwaggons. Die Farbigkeit ist homogen rost-rotbraun (RAL 3011) und entspricht den gegenwärtigen Güterwaggons der Deutschen Bahn. Die Ausstellungsobjekte sind derart robust gestaltet, dass sie kaum zu beschädigen sind. Gesprühte Graffitis, Tags sowie Gebrauchsspuren und Materialalterung sind als Gestaltungsmittel einkalkuliert.

Der Kostenrahmen (s. gesonderte Erläuterung) erlaubt die Aufstellung von sieben Containerobjekten. Diese stellen die dreidimensionalen Rahmen für vier übergeordnete Themen in dem Gebiet des Westbahnhofs bereit:

01 Jödebrunnen und KontorHaus

02 Braunschweiger RINGGLEIS

03 Leben und Wohnen

04 Industrie und Arbeiten

 

Die Themen werden in den Ausstellungsobjekten einerseits über die Ästhetik von Materialien und Erzeugnissen, die in den Fabriken im westlichen Ringgebiet besonders im Bereich des Westbahnhofs vorkamen, vermittelt. Hierbei hat die sinnliche Wahrnehmung unterstützt durch Materialcollagen, Haptik und Gerüche eine wichtige Bedeutung. Detaillierte Informationen zu den Themenfeldern in Form von Abbildungen, Tafeln und Textauszügen vervollständigen den Wissenstransport. Diese Informationsebene wird innerhalb der Ausstellungsobjekte in jeweils zurückgesetzte Einschnitte, die von geneigten Flächen flankiert sind, integriert. Dadurch werden Beschädigungen, z.B. durch Sprayer, erschwert.

 

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