Gutachten zum Wohnungsneubau „Nordring-Neubau“

1. März 2018

 

Gutachterverfahren Wohnungsneubau „Nordring-Neubau“

Auftraggeber: Volkswagen Immobilien GmbH

Zeitraum: 2016

 

 

Situation

Die Position für die drei neuen Baukörper am Nordring in dem Wolfsburger Stadtteil Fallersleben ist bereits vorgegeben und mit der Stadt Wolfsburg abgestimmt. Insgesamt ergibt sich in der Konstellation mit den in nächster Zeit zu erneuernden Bestandsgebäuden eine städtebauliche Figuration, in der alle sieben Gebäude zusammen als Ensemble wirksam werden können.
Um den Charakter eines deutlich ablesbaren Quartiers herzustellen, wird vorgeschlagen die drei neuen Gebäude im Zusammenhang mit dem Freiraum so auszubilden, dass insgesamt DREI HÖFE entstehen. Bestand und Neubau bilden im Zusammenhang jeweils einen Hof und eine Nachbarschaft. Die Höfe erhalten über die Gestaltung der Kopfbauten am östlichen Nordring jeweils einen eigenen Zugang. So wird je Hof eine eigene Adresswirkung gewährleistet und eine Identifikation mit der jeweiligen Nachbarschaften befördert.

Freiraum

Die Gestaltung der Freiräume folgt dem Konzept von DREI HÖFEN als Treffpunkt der Nachbarschaften. Die Höfe sind jeweils unterschiedlich gestaltet und stellen einen Übergang zu dem sich anschließenden Gemeinschaftsgarten her. In diesem können die Bewohner beispielweise kleinere Parzellen gärtnerisch bewirtschaften oder mit Blumen bepflanzen. Außer den Einstellplätzen für PKW wird jeweils ein Nebengebäude für Fahrräder, Müllsammlung und Recycling vorgesehen. An dieser Stelle befinden sich auch die Ladestationen für Elektroautos sowie Pedelecs. In Hof 02 ist ein Spielplatz vorgesehen. In das Freiflächenkonzept ist ein Regenwasserbewirtschaftungssystem integriert, überschüssiges Wasser der Dachflächen wird hier in unterirdischen Zisternen gesammelt und kann als Gießwasser genutzt werden.

Gebäude

Die neuen Gebäude formulieren durch die ausgebildeten Volumen ihrer Kopfbauten die Eingangssituation der DREI HÖFE. In Volumetrie und architektonischer Ausbildung sind alle drei Gebäude grundsätzlich ähnlich, sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Position, Proportion und Größe sowie Zusammensetzung der Wohnungstypen. Jedes Gebäude bildet im Zusammenhang mit Eingang, anschließendem Laubengang, Zufahrt, Infrastruktur (Fahrräder, Müll, Recycling) und zugehörigen Stellplätzen eine funktionale Einheit, die sich gestalterisch und räumlich abbildet. In der Komposition aller Gebäude zueinander werden so auch für jeden der DREI HÖFE eigene Nachbarschaften unter den jeweiligen Hausbewohnern ermöglicht. Das Erdgeschoss wird angehoben (Sockelgeschoss), um einen Distanzraum (Einsicht) zu den Gehwegen herzustellen und die Privatheit der dort liegenden Wohnungen zu gewährleisten. Um das Sockelgeschoss ökonomisch auszuführen, ist die Realisierung des beschriebenen Kellergeschosses förderlich.

Wohnungen

Insgesamt beinhalten die drei Gebäude 54 Wohnungen in unterschiedlichen Größen, wobei diese in den Seitenflügeln über einen Laubengang erschlossen werden. Je Gebäude sind bis zu 20 Wohneinheiten möglich, die Zusammensetzung der Wohnungstypen ist dabei in Abhängigkeit der Position der Balkone nahezu frei kombinierbar. Eine barrierefreie Zugänglichkeit für alle Bewohner ist selbstverständlich gegeben. In den Kopfbauten sind zusätzlich behindertengerechte Wohnungen möglich.
Jedes Gebäude hat einen großzügig dimensionierten Eingang, welcher einen repräsentativen Zugang zu den Wohnungen herstellt. Im Erdgeschoss ist die Erschließung durch gesteckt, um sowohl den Hof als auch die Einstellplätze komfortabel erreichen zu können. Hier befinden sich auch allgemeine Stellflächen z.B. für Kinderwagen.
Für die Erschließung über den Laubengang werden zwei Varianten vorgeschlagen. Die erste Variante sieht vor, dass der Gang selbst von der Fassade um 0,50 m abgerückt wird. Dadurch entsteht ein Distanzraum zur Wohnung. Eine Beeinträchtigung der am Gang liegenden Wohnungen wird reduziert und der Wohnungseingang erhält eine räumliche Akzentuierung, eine eigene Adressierung. Die zweite Variante mit direkt an die Fassade herangerücktem Laubengang ist hinsichtlich der Baukosten etwas ökonomischer, bringt jedoch auch die typischen Nachteile einer Laubengangerschließung hinsichtlich Einsehbarkeit und Beeinträchtigung der Privatsphäre mit sich. Empfohlen wird die zuerst beschriebene Variante. Die Organisation der Grundrisse im Bereich der Seitenflügel ist so angelegt, dass wahlweise die Küche oder der Schlafraum am Laubengang liegen kann.
Die unterschiedlichen Wohnungen zeichnen grundsätzlich ein großer Bezug zum Außenraum, eine gute Lichtsituation, sowie eine funktionale Anordnung der Räume aus. Über Balkone erhält jede Wohnung Bezug zum Freiraum.